Wir fangen wieder bei „Null“ an.

.. es war eine schwere Entscheidung für mich, mit Hankook wieder bei Null anzufangen,
nun arbeiten wir doch 2 Jahre zusammen, seit 1,5 Jahren wird er geritten, er springt fliegene Galoppwechsel, geht Außengalopp und Traversalen (Schritt und Trab). Es hat so viel Spaß gemacht ihn zu reiten, mit ihm zu arbeiten und ihn zu fordern.
Dass er eigentlich total überfordert war wurde mir erst jetzt klar.

Ich gönne ihm also seit ca. 1 Monat schon eine „Pause“. Das heisst, wir gehen sehr viel spazieren, machen Bodenarbeit, lasse ihn in der Halle laufen. Gehen eine Schrittrunde mit Bosal und ohne Sattel raus, lassen sozusagen die Seele baumeln und tanken wieder neue Energie. 2x die Woche reite ich ihn. Die ersten beiden Male bin ich nur Schritt geritten. Viel am  langen Zügel, dann wieder kurz aufgenommen, rund werden lassen und wieder aus der Hand kauen lassen. Nicht mal 20 Minuten habe ich das gemacht. Dann bin ich einfach abgesprungen und er hat sein Futter bekommen. Teilweise war er echt verwundert. Aber er wurde immer schneller lockerer und war nicht so angespannt wie sonst immer.
Seit einer Woche trabe und gallopiere ich ihn wieder langsam. Im Trab gebe ich deutlich mehr Takt vor. Ich lasse ihn so langsam Traben, bis ich zum treiben komme. Ich merke deutlich, wie die Schritte höher und schwungvoller werden. Normal trabt Hanki wie eine Nähmaschine 😀 kennt ihr das, die kleinen Kinder auf den Shettys? So fühlt sich das bei ihm auch an. Das langsame, aber doch schwungvolle traben strengt ihn mehr an, als sein Nähmaschinen Trab, aber ich habe das Gefühl, dass es ihm besser gefällt, er wirkt zufriedener nach dem reiten.
Er hört mir auch immer mehr zu, reagiert schneller und besser auf den Schenkel, wenn wir durch die Diagonale wechseln lässt er sich besser in die Ecke reiten und runder stellen. Das macht um einiges mehr Spaß, als mit ihm zu kämpfen, dass er jetzt keinen Wechsel springt oder durch die Diagonale schiesst wie ein Irrer.
Da mir der Satz „das Pferd soll so frisch in den Stall zurück kehren, wie es heraus genommen wurde“ so am Herzen liegt, mache ich nicht viel mit ihm, sobald er gut ist höre ich auf und lobe ihn. Ich versuche einfach nicht, ihn zu überfordern. Obwohl ich so wahnsinnig gerne mit ihm wieder richtig Dressurreiten würde.
Wir gehen auch wieder Unterricht bei Sophia mit, sie hat mir den Tip gegeben „leg dich nicht mit ihm an, reite einfach über seine Flausen hinweg und bleib ganz cool und gelassen.“ Das ist echt gar nicht so einfach, aber es hilft.
Wir reiten also Stangenstunden mit, mit dem Ziel, dass er gelassen ist, wenn er gut zuhört und brav ist hören wir auf.
Sophi korrigiert meinen Sitz und sagt mir fast jeden Schritt den ich machen soll, das hilft ungemein und gibt Sicherheit, es ist schön, wenn der Reitlehrer hier mitmacht und nicht sagt „das sind nur Flausen, hau ihm eine und weiter gehts.“

Ich habe das Gefühl, dass es langsam wieder bergauf geht. Hankook wird ruhiger und entspannter, er steigert sich nicht mehr so rein. Wenn er erschrickt zuckt er kurz, aber er prescht nicht los, wie ein Geisteskranker. Auch beim Minispringen macht er prima mit, er rennt nicht mehr los und verweigert dann, er macht jetzt genau das Gegenteil, er ist langsam und springt lieber aus dem Trab.

Zwischendrin hat er aber natürlich wieder seine Phasen. Er fragt ständig die Rangordnung ab. Als wir am Wochenende in der Halle waren (es hat geregent, das hasst er) war er wieder total aus dem Häuschen. Schon beim Schritt führen ging er sichtlich angespannt, schüttelte den Kopf, stampfte mit dem Fuß auf. Ja, es war eiskalt und er wollte sich warmlaufen, aber doch bitte nicht neben mir. Na gut, dann habe ich ihn ablongiert und siehe da, er kann auch brav sein. Beim Aufsteigen muss er grundsätzlich stehen bleiben und warten, bis er los gehen darf. Natürlich wollte er gleich lostigern. Ich habe die Zügel angenommen und mich zurück gesetzt, da kam doch prompt ein Bocker. Manchmal möchte er einfach das letzte Wort haben. Ich könnte manchmal einfach nur drüber lachen, weil er das so trotzig macht, wie ein Kleinkind, das keine Süßigkeiten bekommt. Aber lasse ich ihm das durchgehen wird es vermutlich noch schlimmer und irgendwann gefährlich.

Neben dem ruhigen reiten steht auch Tricktraining und Schrecktraining an. Wir üben immer noch am Kompliment, ich glaube das wird ein Ewigkeitswerk 😀
Und wir üben mit Flattertüten. Plastiktüten an die Gerte gebunden.
Davor hat Hankook riesigen Respekt. Ich habe ihn aber schon so weit gebracht, dass er sich von der Tüte streicheln lässt, geheuer ist ihm das Ganze noch nicht, aber es wird immer besser. Außerdem üben wir auf Folie gehen und sich in Planen verstecken. Das ist ihm relativ egal, aber sobald die Plane neben ihm ist und neben ihm herwedelt bekommt er Angst. Hier arbeiten wir auch dran.
Immerhin habe ich ihn schon in eine Pfütze gebracht, er hasst Pfützen. Bei uns ist um die Koppeln ein schöner Grasweg, hier sammelt sich manchmal durch den starken Regen einiges an Wasser an. Naturkatastrophe, lebensgefährlich für Hankook. Nach einigen Malen rückwärtssschicken und Hinterhand weichen ist er dann doch in die Pfütze gegangen – und siehe da, er kann sogar darin stehen und geht nicht unter 😀
Er fasst immer mehr vertrauen – auch in sich. Er wird immer schneller mutiger. Das macht Spaß, ihn so wachsen zu sehen 🙂

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2 Kommentare

  1. Finde ich super, dass ihr diesen Weg geht. Die meisten Reiter entscheiden sich leider immer noch für die Variante „draufhauen und weiter geht’s“. Pferde sind aber nunmal nicht nur Sportgerät, sondern in erster Linie Lebewesen, die verstanden und respektiert werden müssen und wollen. Ich hoffe es geht bei euch weiter so schnell bergauf, für die Beziehung zwischen euch wird es einen großen Mehrwert haben 🙂 ich drücke euch die Daumen..

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    • Danke, für dein Feedback 🙂
      ja, heut zu Tage ist das Pferd leider kein Lebewesen, sondern ein Sportgerät (kostet ja auch Unmengen an Geld..)
      wir haben schon so viele Fortschritte gemacht, gestern war er beim Ausreiten wie ein Lamm, er hört auch mehr zu. So eine „kreative Pause“ tut allen unheimlich gut und ist nur förderlich für die Beziehung, das hätte ich Anfangs auch nicht gedacht.
      Vielen Dank 🙂 wir werden weiter berichten 🙂

      Gefällt 1 Person

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